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< Beitrag von Jonathan Joerdens

SCRUM-Retrospektive: 3 spielerische Methoden

Bei meinen ersten Gehversuchen als SCRUM-Master war eines sehr einfach, nämlich die SCRUM-Prozesse und -Rollen einzuführen. Das ist deshalb der leichte Teil von SCRUM, weil die Prozesse und Rollen klar definiert und daher auch nicht verhandelbar sind. Schwer getan habe ich mich dagegen bei der SCRUM-Retrospektive, wenn es darum ging, dem Team die richtigen bzw. notwendigen Informationen zu entlocken, um sinnvolle Verbesserungen einzuführen.

SCRUM-Retrospektive „klassisch“

Die klassisch gelehrte Methode der SCRUM-Retrospektive ist strukturiert durch 3 einfache Fragen:

  1. Positiv: Was lief gut?
  2. Negativ: Was lief schlecht?
  3. Potenzial: Was kann man verbessern?

Die Fragen geben bereits die Richtung der jeweiligen Antwort vor, nämlich etwas Schlechtes bzw. etwas Gutes zu identifizieren. Solche Fragen nach Gut oder Schlecht verleiten jedoch meiner Erfahrung nach dazu, entweder die Arbeit anderer zu bewerten oder aber aus Rücksichtnahme auf eine Bewertung der Projekt-, Prozess- und Teamsituation ganz zu verzichten.

Wenn jemand das Verhalten oder die Arbeit eines Teammitglieds als „schlecht“ kategorisiert oder Verbesserungspotenziale aus Rücksicht nicht aufgezeigt werden, schürt dies Missgunst bei einzelnen Personen oder im ganzen Team. In beiden Fällen rückte das Team über die Zeit eher auseinander, anstatt zusammenzuwachsen und eine Einheit zu werden. Als SCRUM-Master hatte ich zunächst keine Anhaltspunkte für sinnvolle Verbesserungen der SCRUM-Retrospektive. Mein Bauchgefühl sagte mir aber, dass ich an dieser Stelle den Prozess verändern muss.

SCRUM-Retrospektive „spielerisch“

Was also tun? Ich suchte nach anderen Mitteln, die Retrospektive durchzuführen, mit Fragen, die weniger belastet bzw. belastend sind. Eine Internet-Recherche führte schnell zu einer ganzen Liste verschiedener spielerischer Methoden (Retrospective Games), von denen ich einige ausprobiert habe.

Die 3 folgenden Spiele haben sich für mich und für die Teams als konstruktiv und wirksam bewährt: das 5-Starfish-Game, der Fun-Value-Graph und das Happiness Game.

5-/6-Starfish-Game

Ursprünglich ist das Spiel, optisch aufgebaut wie ein Seestern mit 5 Zacken-Feldern. Es sind aber auch 6 Felder möglich und der Einfachheit halber verwende ich hier einen Kreis mit den folgenden 6 Feldern, die jeweils mit einem bestimmten Aspekt bzw. mit einer bestimmten Frage belegt sind.

  • Was wollen wir nicht mehr machen? Womit sollen wir aufhören?
  • Was wollen wir weniger machen? Was sollen wir reduzieren?
  • Womit wollen wir anfangen? Was sollen wir ausprobieren?
  • Was wollen wir verstärkt tun? Wovon brauchen wir mehr?
  • Was wollen wir beibehalten? Was sollen wir weiter so machen?
  • optional: Wofür wollen wir danken? Wem wollen wir danken?
SCRUM-Retrospektive: 5-/6-Starfish-Games

Das Starfish-Game stellt also offene und wertungsfreie Fragen, und mit deren Hilfe fiel es den Team-Mitgliedern in der Retrospektive deutlich leichter, „von der Leber weg“ ihre persönliche Sicht der Dinge darzustellen. Das Starfish-Game hat sich besonders bewährt, wenn es darum ging, zu den Kernproblemen im Prozess und im Team durchzudringen und auf dieser Basis sinnvolle Verbesserungen zu initiieren.

Fun-Value-Graph

Der Fun-Value-Graph ist aufgebaut wie ein Koordinatensystem mit den Achsen wenig bis viel Spaß und wenig bis viel Wert.

SCRUM-Retrospektive: Fun-Value-Graph

Der Fun-Value-Graph hat den Vorteil, dass hier die Teammitglieder ihre tägliche Arbeit kategorisieren können und das Team ein Gespür bekommt für lästige, aber notwendige Arbeiten (= wenig Spaß, viel Wert) und echte Wertschöpfung (= viel Spaß, viel Wert). Die Einordnung schafft nicht nur Klarheit über die Bedeutung der einzelnen Aufgaben, sondern hilft dem Team mehr Rücksicht und Wertschätzung für diejenigen zu entwickeln, die z. B. die notwendigen, aber weniger erfreulichen Arbeiten erledigen.

Happiness Game

Das Happiness Game hat 4 Felder mit diesen Impuls-Fragen:

  • Was macht mich glücklich?
  • Was macht mich traurig?
  • Welche Ideen hatte ich?
  • Wem will ich danken?
SCRUM-Retrospektive: Happiness Game

Ich habe dieses Spiel eingesetzt, um ein vertieftes Verständnis der Motivationen und Hemmnisse im Team zu erhalten. Dabei halte ich besonders das Danke-sagen im Team – wie es auch im 6-Starfish-Game praktiziert wird – für eine besonders wichtige und nachhaltige Form, den Teamzusammenhalt zu stärken.

Es gibt noch viele weitere Spiele für Retrospektiven, wie zum Beispiel das Sailboat/Speedboat Game, MSG (mad, sad, glad) oder 3L (liked, learned, lacked). Ich werde diese ebenfalls in meinen Retros anwenden und euch von meinen Erfahrungen berichten.

Habt ihr eines dieser Spiele oder andere bereits erfolgreich angewendet? Schreibt doch eure Erfahrungen in die Kommentare.

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Kategorie: Projektmanagement | Schlagwörter: | Kommentare: 0

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