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< Beitrag von Mario Pützstück

Kennzahlen in agilen und hybriden Projekten

Das agile Arbeiten zielt darauf ab, ein Produkt zu liefern, das den höchsten Nutzen erbringt und die höchste Kundenzufriedenheit erzeugt. Deshalb ist eine enge, gut organisierte Interaktion und Kommunikation mit dem Kunden von hoher Bedeutung. Demgegenüber tritt die Steuerung mit Kennzahlen in den Hintergrund: Im agilen Kontext gilt die Beschäftigung mit Kennzahlen als introvertierte Beschäftigung, die leicht zu vermeidbarem Overhead führen kann.

Diese Skepsis und eher distanzierte Haltung zum Umgang mit Kennzahlen spiegelt sich auch in den folgenden Statements:

Working software is the primary measure of progress.

Agile Manifesto

The most important things cannot be measured. The issues that are most important, long term, cannot be measured in advance.

W. Edwards Deming

Sinnvolle Kennzahlen für agile Projekte

Selbstverständlich gibt es auch für agile Projekte einige hilfreiche Kennzahlen, die dem Team wertvolle Hinweise liefern zur Selbst-Reflektion und -Optimierung. Bemerkenswerterweise thematisieren die meisten Quellen zum Thema „agile Kennzahlen“, insbesondere nutzen- und wertorientierte Kennzahlen. Als wichtigste Messgröße gilt dabei die Kundenzufriedenheit – und die lässt sich durch die häufige Interaktion (von Angesicht zu Angesicht) und durch die regelmäßigen Feedback-Schleifen direkt wahrnehmen. Dagegen sind Messungen der Kosten im agilen Kontext seltener vorzufinden, mit Ausnahme der Kosten-Betrachtung pro Sprint bzw. Release.

Agilität löst keine Terminprobleme

Häufig wird immer noch angenommen, dass sich Terminprobleme lösen lassen, indem eine klassische Projektmethode durch agiles Vorgehen ersetzt wird. „Wir müssen schneller fertig werden? Dann machen wir das jetzt agil“, hörte ich einmal einen Manager sagen. Keine wirklich gute Idee, denn Agilität zielt nicht darauf ab, immer schneller zu werden, sondern vielmehr immer bessere Ergebnisse zu liefern.

Sustainable Pace

Kennzahlen in agilen Projekten

In Anlehnung an Dr. Jürgen Freisl: Jenseits der Effizienz – das Fenster der Vitalität

Das Agile Manifest spricht von „sustainable pace” und bewertet in diesem Sinne als optimal die konstante Balance zwischen Effizienz und Belastbarkeit. Im Fokus des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses steht vor allem die Effektivität, das, was wir tun, und dann erst die die Effizienz, wie wir es tun.

Aussagekräftige Kennzahlen für agile und hybride Projekte

Gerade auch vor dem Hintergrund hybrider Projekte, also der Kombination von agilen und klassischen Projekt-Methoden, stellt sich die Frage, welche Kennzahlen aus dem klassischen Projektmanagement auch für agile Projekte sinnvoll und aussagekräftig sind. Hier eine Auswahl der Kennzahlen, die sich sowohl klassisch, wie auch agil anwenden lassen:

  • Qualität: Grad der Kundenzufriedenheit, Anzahl Bugs pro Release
  • Geschwindigkeit: Time-to-Market, Anzahl an Auslieferungen pro Jahr
  • Umsetzungskapazität: Durchsatz (Team-Velocity) als Summe der geplanten bzw. abgenommenen Arbeitspakete bzw. Stories im direkten Vergleich und im Zeitverlauf
  • Kosten: Kosten pro Iteration / pro Zeitperiode

Das Team sollte mit den verwendeten Kennzahlen nach jedem Sprint bzw. jeder Iteration die eigenen Leistungen im Hinblick auf Qualitätssteigerungen oder Performance-Verbesserungen überprüfen können. Dabei zeigt sich auch, ob die angewendeten Arbeitsweisen und umgesetzten Team-Maßnahmen (z. B. basierend auf den Retrospektiven-Ergebnissen) die Leistungsfähigkeit verbessern. So kann das Team an erfolgreichen Maßnahmen festhalten und weniger erfolgreiche verwerfen oder anpassen.

Kennzahlen im Kontext von Projekt und Projektmanagement-Methode

Grundsätzlich gilt: Kennzahlen sollten niemals unabhängig vom Projektkontext und der Projektmethode unreflektiert verglichen werden. Vielmehr gilt es, die individuellen Einflussfaktoren innerhalb des jeweiligen Betrachtungszeitraumes (in der Regel beim Vergleich von „Iterationen“ bzw. „Sprints“) zu berücksichtigen: Selbstverständlich kann z. B. die Gesamt-Velocity in der Sommerurlaubszeit geringer ausfallen, als in den Zeiten, in denen das Team vollzählig ist. Im Zweifelsfall ist hier die die Relation von geplanten und abgenommenen Stories aussagekräftiger.

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Kategorie: Projektmanagement | Schlagwörter: , | Kommentare: 0

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