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< Beitrag von Miriam Stuhlmacher

New-Work-Tomaten pflanzen und ernten

New-Work-Tomaten? New Work und Tomaten? Das hat überraschend viel miteinander zu tun, denn beides braucht Tatkraft, Ressourcen, Konsequenz und Geduld.

New-Work-Tomaten

Nach einem Tag voller IT, Meetings, komplexen Fragenstellungen und fordernden Entscheidungen geh ich in unseren Garten. Einfach etwas völlig Unstrategisches mit den Händen tun. Ich kann dabei gut meine Perspektive verändern. So gründet sich die ein oder andere fachliche Lösung oder Erkenntnis in vermeintlich fremden Situationen.

Zu Beginn der Saison habe ich unter Einbezug meines ganzen angelesenen Halbwissens Tomaten gepflanzt. Topf, Erde, Saat auf die Fensterbank und siehe da, es gab bald kleine Tomatensprösslinge. In totaler Inbrunst meiner Euphorie habe ich diese in Erwartung baldiger Ernte ins Hochbeet gesetzt. Das war Anfang März.

Im April habe ich dann die ersten verkümmerten Pflänzchen rausgezupft und auf dem Kompost beerdigt.

Die Rahmenbedingungen haben nicht gestimmt. Das Zielbild der großen Tomatenernte ist in Aktionismus und Euphorie verkümmert. Ich habe gebrannt für meine Tomatenernte, doch wider besseren Wissens habe ich das Tempo angezogen. Meine Sprösslinge konnten nicht mithalten. Dieses Tempo ist für Tomatenpflanzen einfach nicht vorgesehen. Tomaten brauchen zum Wachsen bestimmte Rahmenbedingungen, Pflege und Zeit.

Tomaten sprinten nicht und Organisationen auch nicht.

Zielbild, Wille und Euphorie bilden eine Basis, um eine Organisation in Richtung New Work zu entwickeln – aber das reicht nicht. Wir müssen uns überlegen, welche Rahmenbedingungen unsere Organisationen zum Wachsen brauchen.

Tomaten gibt es in unterschiedlichsten Farben, Formen und Geschmacksrichtungen, genauso wie unsere Organisationen. Es gibt Leitlinien, die für nahezu alle gelten, und es gibt Besonderheiten für die Einzelnen. So wie sich Tomatenpflanzen langsam an die Sonne gewöhnen müssen, so brauchen auch Organisationen Zeit, um sich an die neue agile „New Work Einheit“ zu gewöhnen. Keimlinge werden pikiert, damit sie nicht eingehen und sich im Wachstum nicht gegenseitig behindern.

New Work braucht Raum, um sich zu entfalten, damit sie Früchte tragen können.

Tomaten sind Starkzehrer, das heißt: Sie entziehen dem Boden viele Nährstoffe. Deshalb müssen diese Stoffe dem Boden regelmäßig neu zugeführt werden. Und damit die Tomatenpflanze ihre ganze Kraft in die Früchte steckt, müssen die überflüssigen Triebe herausgebrochen werden.

New-Work-Tomaten: Ein schönes Bild für unsere agile Arbeitswelt.

Neue Organisationsformen sind erst mal Starkzehrer an der etablierten Organisation. Damit New Work wachsen kann, brauchen wir Zeit und die Ressourcen der etablierten Organisation. Agilität und Dynamik brauchen kurze Wege. Manch ein sperriger Prozess muss ausgegeizt werden, um gezielter und nachhaltiger zu wachsen. Euphorie und Enthusiasmus sind wertvolle Wachstumstreiber, aber Geduld und Konsequenz eben auch.

Es gibt wenige Beispiele, die uns die Folgen unserer Ungeduld so plakativ vor Augen halten, wie Tomatenpflanzen. Wenn wir von den New-Work-Tomaten lernen wollen, sollten wir uns im Kontext von Veränderungen immer wieder bewusst fragen: „Bin ich noch geduldig genug?“

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Kategorie: ITSM | Schlagwörter: | Kommentare: 0

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