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< Beitrag von Annette Ratmann

Fasziniert von Technik – das Interview zum Weltfrauentag 2019

Frauen sind in technischen Berufen häufig noch immer allein auf weiter Flur – trotz vielfältiger Bemühungen, das zu ändern. Wie sieht der Werdegang und Arbeitsalltag von Frauen aus, die Technik zu ihrem Beruf gemacht haben? Das beantworten die ORBIT-Kolleginnen Sheeba Shahid und Lemya Salih im Gespräch zum Weltfrauentag 2019.

ORBIT Interview zum Weltfrauentag 2019

Im Gespräch: Sheeba Shahid (links), Lemya Salih (rechts) und Annette Ratmann

Sheeba und Lemya, ihr arbeitet seit vielen Jahren in technischen Berufen, die noch immer männlich dominiert sind. Welche Ausbildung habt ihr und woran arbeitet ihr gerade?

Sheeba: Ich habe einen Master-Abschluss als Elektroingenieurin mit dem Schwerpunkt Telekommunikation. Aktuell beschäftigt bin ich mit der Validierung und Integration von Telekommmunikationsprodukten in Verbindung mit der Herstellung von Multimedia-Konvergenz für Mobiltelefone durch IMS (IP Multimedia Services).

Lemya: Ich bin Diplom-Informatikerin und arbeite in der End-to-End-Validierung von Telekommunikationsprodukten. Durch die Validierung stellen wir sicher, dass die Produkte und Services alle Anforderungen für die Markt-Einführung erfüllen.

Auch am Weltfrauentag 2019 sind Frauen in eurem Arbeitsgebiet noch immer die Ausnahme …

Sheeba Shahid im Gespräch zum Weltfrauentag 2019
Sheeba Shahid, Elektroingenieurin bei ORBIT

Sheeba: Ja, das begann schon in meiner Familie und setzte sich fort im Studium und in den Firmen, für die ich gearbeitet habe. Häufig war ich die einzige Frau unter vielen Kollegen. Das war nicht immer einfach: Manchmal musste ich die fachliche Kompetenz erst beweisen, die bei meinen Kollegen selbstverständlich vorausgesetzt wurde. Aber ich habe auch viel Unterstützung und Ermutigung erhalten – von meinen Chefs und auch von Kollegen.

Lemya: Mir ging es genauso. In meinem Studienjahrgang waren wir 5 Frauen von insgesamt 120 Studierenden. Von Anfang an habe ich mir mehr Kolleginnen gewünscht.

Habt ihr euch schon immer für Technik interessiert? Was hat euer Interesse geweckt?

Sheeba: Meine Mutter wollte, dass ich Medizin studiere, wie die meisten Frauen in meiner Familie. Medizin gilt in Pakistan noch immer als „frauenfreundliches“ Fach. Aber mein Vorbild war mein Vater, ein Maschinenbauingenieur. Eines Tages erzählte er uns, er arbeite daran, Kabel durch Glasfasern zu ersetzen. Das hat mich fasziniert! So etwas wollte ich auch machen.

Lemya Lalih im Gespräch zum Weltfrauentag 2019
Lemya Salih, Diplom-Informatikerin bei ORBIT

Lemya: Meine Mutter hat als Schuldirektorin gearbeitet. Sie hat uns Kindern von Anfang an vermittelt, wie wichtig eine gute Ausbildung ist. Außerdem war ich auf einer Mädchenschule. Da kamen häufig ehemalige Schülerinnen zu Besuch, und viele von ihnen haben zukunftsträchtige technische Fächer studiert. Diese Studentinnen haben mich sehr beeindruckt und meinen Ehrgeiz geweckt. Der Sudan ist ein Land, in dem eine gute Infrastruktur fehlt. Also wollte ich zunächst Bauingenieurin werden. Mein Klassenlehrer am Studien-Kolleg in Deutschland, gab mir dann den guten Rat, Informatik zu studieren. Diesem Rat bin ich schließlich gefolgt.

Ihr hattet also beide Vorbilder für eure Berufswahl. Seht ihr noch andere Möglichkeiten, um Mädchen und junge Frauen für technische Berufe zu gewinnen?

Lemya: Es fängt schon damit an, kleinen Mädchen und Jungen „gemischte“ Spielzeugkisten anzubieten.

Sheeba: Auch die Schule spielt eine wichtige Rolle: Da reicht es nicht, nur theoretisches Wissen aus Büchern zu vermitteln. Denn die praktische Arbeit an konkreten Beispielen ist viel motivierender. Ganz nach dem Motto: Show me, guide me, let me do! Dabei ist das “Let me do!” entscheidend.

Sind junge Mädchen gut genug informiert, über die Chancen und Möglichkeiten technischer Berufe?

Lemya: Genau da liegt ein Problem: Viele junge Mädchen haben falsche Vorstellungen von der Arbeit in einem technischen Beruf. Durch Shadowing-Programme lässt sich das ändern. Dabei schauen interessierte Mädchen erfahrenen Kolleginnen und Kollegen bei der Arbeit über die Schulter und lernen so den jeweiligen Beruf kennen. Die Teilnahme an so einem Programm kann ganz neue Perspektiven eröffnen.

Sheeba: Hilfreich sind auch Netzwerke, in denen sich Frauen austauschen und besonders junge Kolleginnen ermutigen.

Lemya: Und Frauen in technischen Berufen brauchen eine viel stärkere Medienpräsenz.

Erschließen sich Frauen und Männer technische Arbeitsfelder auf unterschiedliche Weise?

Sheeba: Das glaube ich eher nicht. Der professionelle Zugriff auf die Arbeitsaufgaben ist ähnlich.

Lemya: Wir arbeiten ja immer in Teams, und da ist meiner Erfahrung nach Diversity ein Schlüssel zum Erfolg – also Vielfalt im Hinblick auf Herkunft, Alter, Geschlecht etc. In solchen Teams kommen unterschiedliche Erfahrungen, Sichtweisen und Ideen zusammen. Das kann durchaus auch zu Spannungen führen, aber letztlich fördert es die Kreativität und stärkt die Produktivität.

Noch eine letzte Frage: Was begeistert euch nach all den Jahren noch immer an eurem Beruf?

Lemya: Mich fasziniert die dynamische Entwicklung technischer Innovationen und die Arbeit in internationalen Teams. Ich habe die Chance, jeden Tag etwas Neues zu erfahren und dazuzulernen.

Sheeba: Das geht mir auch so! Die technische Entwicklung ist so rasant und interessant. Und sie verbindet Menschen über alle Grenzen hinweg!

Lemya und Sheeba – vielen Dank für das Gespräch.

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Kategorie: ORBIT | Schlagwörter: | Kommentare: 0

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