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< Beitrag von Mario Pützstück

Agiles Mindset: Vertrauen und Kundennutzen im Fokus

Die Vorteile agilen Arbeitens gibt es nicht ohne ein agiles Mindset, auf dem letztlich die gesamte Projektzusammenarbeit basiert. Projektbeteiligte, die schon mit agilen Methoden gearbeitet haben, wissen dies aus eigener Erfahrung. Dennoch muss sich ein Change zum agilen Arbeiten offensiv mit Vorurteilen und Vorbehalten auseinandersetzen.

Vorbehalt Nr. 1: agil = chaotisch

Das Phänomen ist auch bekannt als „Whiskey-Syndrom“. Viel zu früh stellen Projektbeteiligte die Frage: „WHy Isn’t Sam Coding Yet?“ Oder mit Goethes Faust gesagt: „Der Worte sind genug gewechselt, | Lasst mich auch endlich Taten sehen!“ Das Bedürfnis ist verständlich, in drängenden Projekten endlich loszulegen und Ergebnisse zu liefern. Aber auch unter der Voraussetzung, dass agile Methoden zum Einsatz kommen sollen, müssen die Rahmenbedingungen und Projektziele geklärt sein. Andernfalls kommt es zu Projekterfahrungen, wie die, von der ein Entwickler berichtet: „Wir laufen alle schon mal los, wissen aber noch nicht wohin.“

Vorbehalt Nr. 2: Agiles Arbeiten führt zu höheren Risiken

Das Gegenteil ist der Fall! Die Sichtbarkeit und Transparenz ist im gesamten Projektverlauf bei agilen Projekten tendenziell höher als bei traditionell und klassisch geführten Projekten. Dies liegt daran, dass Entwickler und Fachexperten täglich eng zusammenarbeiten und die Zwischenergebnisse mit dem Kunden während des gesamten Projektverlaufs regelmäßig abstimmen. Durch die häufigen Feedbacks können Arbeitsinhalte und Arbeitsweisen frühzeitig optimiert werden. Arbeitsweise, Kooperation und Kommunikation sind so strukturiert, dass die Projektteams schneller erste auslieferbare (Teil-)Produkte fertigstellen können.

Vorbehalt Nr. 3: Agiles Arbeiten gibt es auch in klassisch organisierten Projekten

Einige Skeptiker und Gegner des agilen Vorgehens behaupten außerdem: „Das ist doch alles nichts Neues, sondern eigentlich nur alter Wein in neuen Schläuchen. Auch im klassischen Projektmanagement lässt sich der Bedarf an flexiblem und antizipativem Vorgehen durch ein hoch iteratives und inkrementelles Projektvorgehen befriedigen.“ Dieser Einwand ist durchaus berechtigt und lässt sich nur entkräften mit Blick auf das agile Mindset – und letztlich durch die konkrete Erfahrung in agilen Projekten.

Agiles Mindset – welche Werte und Prinzipien gehören dazu?

Mindestens genauso entscheidend wie das agile Projektvorgehen ist das Mindset der Beteiligten. Was macht ein agiles Mindset aus? Die Führungskräfte geben den Mitarbeitern den erforderlichen Gestaltungsfreiraum und unterstützen die Projektteams durch gute Arbeitsbedingungen. Sie geben eine Vision und ggf. Ziele vor, nicht jedoch konkrete Arbeitsschritte oder Verfahrensanweisungen. Vertrauen rückt in den Mittelpunkt, Kontrolle in den Hintergrund. Die Kommunikation erfolgt stets auf Augenhöhe unter allen Beteiligten. Selbstverantwortung und Selbstorganisation sind wichtige Aspekte, die die agile Arbeitsweise prägen. Weitere Aspekte sind dem agilen Manifest zu entnehmen.

Agiles Mindset

Magisches Dreieck im Projektmanagement

Umkehr des magischen Dreiecks

Darüber hinaus ändert sich der Blick auf das „magische Dreieck“. Fixpunkte und verhandelbare Aspekte wandeln sich beim Wechsel vom klassischen Wasserfall zum agilen Vorgehen. Beim agilen Vorgehen werden die konkreten Inhalte nur für die nächste Iteration vorab definiert, während die Kosten und Termine zur Umsetzung dieser Iteration bekannt sind. Im Wasserfallvorgehen hingegen wird in Form von Lasten- und Pflichtenheften exakt der geplante Inhalt fixiert, während die benötigten Kosten und geplanten Termine häufig zuerst genau geplant und verhandelt werden müssen.

Die Projektbeteiligten müssen das agile Mindset – das Selbstverständnis, die Werte und Prinzipien des agilen Vorgehens – akzeptieren und verinnerlichen. Auf dieser Basis können dann bessere Ergebnisse erzielt werden, als durch eine rein funktionale Anpassung der Projektplanung. Diese Erkenntnis basiert auf der Erfahrung, dass sich Vertrauen unter den Beteiligten ausbildet und eine hohe intrinsische Motivation in Verbindung mit dem flexiblen und adaptiven Vorgehen letztlich nicht nur zu mehr Zufriedenheit, sondern auch zu mehr Effektivität und zu mehr Effizienz führt. Alle Beteiligten erkennen, dass der Kundennutzen im Mittelpunkt der Aktivitäten steht und nicht der initial erstellte Plan.

Aber gibt es nicht doch einen Kompromiss zwischen klassischen und agilen Arbeitsweisen? In meinem nächsten Blog-Beitrag erläutere ich, wie sich der Methodenkonflikt durch hybride Modelle überbrücken lässt.

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Kategorie: Projektmanagement | Schlagwörter: | Kommentare: 0

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