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< Beitrag von Johann Bauer

SAP HANA: Schnittstellen zu BI Reporting-Tools und SAP Fiori-Apps

Über die zahlreichen Wege der Daten-Provisionierung können sehr unterschiedliche Daten durch ein SAP HANA-System bereitgestellt werden. Doch wie können diese vielfältigen Daten mit Hilfe von bewährten und neuen SAP (BI)-Tools und Apps sinnvoll ausgewertet werden? Hierzu stellt SAP einerseits eine Handvoll BI-Tools, andererseits zahlreiche Apps aus dem hauseigenen SAP Fiori-Umfeld zur Verfügung, mit denen sich dieser Beitrag nachfolgend ausführlicher befasst.

Schnittstellen und Verbindungen

Voraussetzung für die Nutzung aller SAP BI-Tools und Fiori Apps ist der Aufbau einer physischen Verbindung zu einem SAP HANA-System und den dort in Schemata organisierten zuvor modellierten Information Models (Views). Über die Modellierung Letzterer wird in einem kommenden Artikel ausführlicher eingegangen und ist daher nicht Bestandteil dieses Posts.

Für den Zugriff auf SAP HANA mittels SAP BI Frontend-Tools oder SAP Fiori Apps existieren eine Reihe von Schnittstellen und unterschiedlichen Schichten, die in folgender Abbildung dargestellt sind:

Schnittstellen_Andreas

Abb. 1: Schnittstellen zwischen SAP HANA und SAP BI Frontend-Tools sowie SAP Fiori Apps

Die SAP HANA-Plattform kann grundsätzlich mit den Schnittstellen ODBO, ODBC, JDBC und BICS umgehen.

ODBO
Die ODBO-Schnittstelle (OLE DB for OLAP: Object Linking and Embedding, Database for Online Analytical Processing ist eine Schnittstelle speziell für multidimensionales Reporting. Die Daten werden dabei via MDX (Multidimensional Expression Language) gesendet.

ODBC
Die ODBC-Schnittstelle (Open Database Connectivity) ist sehr verbreitet in der Industrie. Diese wurde ursprünglich für Microsoft-Systeme entwickelt, ist aber mittlerweile auch für UNIX-Systeme verfügbar. Datenbank-Anfragen werden hierüber mit SQL durchgeführt.

JDBC
Die JDBC-Schnittstelle (Java Database Connectivity) basiert auf der Java-Plattform. Diese kann dazu genutzt werden, um eine Datenbankverbindung in Java-Anwendungen herzustellen. Die Anfragen an die Datenbank werden mittels SQL-Statements gestellt.

BICS
Von SAP wurde ebenfalls eine eigene Schnittstelle entwickelt. Die BICS-Schnittstelle (Business Intelligence Consumer Service) ist der OLAP-Schnittstelle sehr ähnlich, allerdings performanter, da sie direkt auf die Auswertungsquelle (hier SAP BEx-Queries) zugreift.

Zahlreiche Frontend-Tools und die Apps von SAP Fiori

In der nachfolgenden SAP-Grafik werden für alle relevanten SAP Frontend-Tools die Schnittstellen zu SAP HANA sowie ihre Abhängigkeit zur SAP BusinessObjects(BO) BI Plattform dargestellt:

2015-07-27 15_09_33-SAP

Abb. 2: Übersicht der Schnittstellen zwischen der SAP HANA Datenbank und den Frontend-Tools

Die Frontend-Tools SAP BO Dashboards, SAP BO Analysis, edition for OLAP und SAP BO Explorer können nur zusammen mit der SAP BO BI-Plattform betrieben werden und verfügen somit über keine Standalone-Variante.

Der mit den Tools Crystal Reports for Enterprise, SAP BO Web Intelligence, SAP BO Design Studio, SAP BO Analysis, edition for MS Office, SAP Lumira und SAP Predictive Analytics erstellte Content kann entweder via BI-Plattform oder ohne diese mit Hilfe von extra Viewer-Programmen offline/online im Frontend-Tool selbst oder entsprechend in einem HTML5-fähigen Browser bereitgestellt werden.

Einen Sonderfall stellt Crystal Reports 2011/2013 dar: Die mit diesem Desktop-Tool erstellten Reports können zwar auf der Plattform gespeichert und mit Hilfe eines HTML-Viewers angeschaut, aber dort nicht bearbeitet werden.

Ziemlich neu im SAP-Portfolio sind die SAP Fiori-Applikationen. Es ist nicht möglich, die erstellten Apps oder deren Content via SAP BO BI-Plattform zur Verfügung zu stellen. Dafür sind SAP Lumira oder das Design Studio eine Alternative zur SAP BO BI-Plattform.

Verbindungen zu SAP HANA

Wie greife ich nun mit meinen zahlreichen Tools auf SAP HANA zu? Dazu benötige ich die, in früheren Zeiten „Connections-Strings“ genannten, Verbindungen zum SAP HANA-System, die entweder in den jeweiligen Tools oder – bei Zugehörigkeit zur SAP BO BI-Plattform – mit Hilfe der Central Management Console (CMC) bzw. dem Information Design Tool erstellt werden.

Nachdem eine Verbindung für das SAP HANA-System erstellt wurde, können auf Basis der dort in Form von Views strukturierten Daten Reports, Dashboards und Analysen erstellt und dann Endanwendern via SAP BO BI-Plattform oder in anderer Form bereitgestellt werden.

Auswahl der richtigen Tools

Bevor man mit Hilfe der großen Tool-Palette einfach loslegt, um Daten aus SAP HANA auszuwerten, sollte man sich klar werden, für welche Zielgruppe man Auswertungen bereitstellt und in welcher Form. Interaktive Dashboards, Standard Enterprise Reporting oder doch mit Schwerpunkt auf Mobilität und Ad-Hoc-Reporting? Oder erwartet der Endanwender sogar einen Blick auf kommende Trends?

Nachfolgende Tabelle hilft mit einem groben Überblick über die wesentlichen Einsatzgebiete und Zielgruppen der unterschiedlichen Tools:

Tabelle_Produktübersicht4

Abb. 3: Übersicht der SAP-Tools, deren Schnittstellen zu SAP HANA, Lizenzierung, Einsatzgebiete und potentielle Zielgruppen

Im Folgenden wird auf die vier aktuell wichtigsten Tools im Zusammenhang mit SAP HANA ausführlicher eingegangen.

Die wichtigsten Tools und die Apps

Da die mobilen Endgeräte immer leistungsfähiger werden und der heutige Mitarbeiter entsprechend seinen Erfahrungen aus dem Consumer-Umfeld Reports sowie Dashboards auf seinem Tablet und Smartphone sehen und u. U. direkt bearbeiten will, hat hier SAP die entsprechenden Anwendungen entwickelt, die dies ermöglichen. Hierzu zählen das SAP BO Design Studio und SAP Lumira.

Für einen Blick auf zukünftige Trends – vorwiegend abgeleitet aus den eigenen Unternehmensdaten – bietet sich das frisch im Rel. 2 vorliegende SAP Predicitve Analytics an.

Zahlreiche fertige Apps aus dem Hause SAP– über 300 verschiedene sind bereits verfügbar – können via SAP Fiori konsumiert werden (und auch eigene erstellt werden).

SAP BusinessObjects Design Studio

Das Design Studio ist eine Anwendung, die die HTML5 UI-Technologie nutzt. Das Design Studio basiert auf Eclipse, einer weit verbreiteten Entwicklungsumgebung. Es verfügt über einen intuitiven „WYSIWYG“-Editor und ist von SAP das empfohlene Nachfolgeprodukt für BEx Web Application Designer und SAP BusinessObjects Dashboards. Es ist möglich, die Daten direkt aus HANA zu laden und diese dann in den Dashboards zu verwenden. Damit das Design Studio im Zusammenhang mit SAP HANA funktioniert, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • SAP HANA SP07, Rev. 72 oder höher
  • Desktop-Rechner mit Design Studio: JRE1.6 (32Bit) oder JRE1.7(64Bit)

Das Design Studio spielt seine Stärken insbesondere bei der Entwicklung von mobilen Applikationen aus. Des Weiteren können mit dem Design Studio auch sehr einfach einzelne HTML5-Elemente z. B. für Webseiten erstellt werden. Nachfolgend ein Screenshot der Entwicklungsumgebung des Design Studios:

2015-07-27 14_30_30-TEST - SAP BusinessObject Design Studio

Abb. 4: Screenshot von SAP BusinessObjects Design Studio

SAP Lumira

SAP Lumira ist das neueste Reporting-Produkt aus dem Hause SAP – eine Eigenentwicklung (wie übrigens das Design Studio auch). Es ist ebenfalls ein sehr intuitives und einfach handhabbares Produkt und liegt damit im Simplify-Trend von SAP. Damit Lumira im Zusammenhang mit SAP HANA funktioniert, müssen folgende Dienste installiert sein:

  • SAP HANA Support Package 08 Rev. 82 oder 83mit aktivierter XS Engine
  • SAP HANA Self-Service Analytics Application Function Library
  • SAP HANA Lifecycle Manager

Der Vorteil von Lumira ist, dass es sehr viele Funktionen bereits mitbringt. So ist es zum Beispiel möglich, Geodaten zu verwenden. Dabei kann man die Namen von Ländern auf einer Weltkarte den einzelnen Ländern zuordnen. Eine Zuordnung von Breiten- und Längengraden ist aber zurzeit noch nicht möglich, wird aber demnächst unterstützt. Ein weiterer Vorteil von Lumira ist, dass es On-premise, mobil und in der Cloud verfügbar ist. Abb. 5 zeigt ein Beispiel-Dashboard, erstellt mit der Lumira Desktop-Version, das ein Mapping von Länderdaten auf einer Weltkarte zeigt.

Lumiras unbestrittene Stärke ist die Visualisierung. Es bietet neben den Standard-Grafiken zahlreiche spezielle Diagramme an, wie z. B. eine Weltkarte, ein Scatter Plot oder eine Heat Map. So können Views in HANA vorbereitet werden und die Anwender können auf diese in Lumira zurückgreifen. Darauf basierend können die Daten mit den unterschiedlichsten Grafiken visualisiert werden.

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Abb. 5: Mapping geografische Daten auf Weltkarte

SAP Fiori-Apps

SAP unterscheidet mittlerweile vier Arten von Apps: Factsheets/Infoblätter, Analytische Apps, SAP Smart Business-Applikationen und die Transaktionalen Apps.

  • Factsheets/Infoblätter werden von Endanwendern häufig genutzt, um ein SAP-System in kürzester Zeit nach Informationen zu Stichwörtern zu durchsuchen. Dazu können sie zum Beispiel Artikelstammdaten oder Mitarbeiter anzeigen. Des Weiteren ist es zum Beispiel möglich, über die Factsheets Zugriff auf Transaktionen zu erhalten, um Bestellbestätigungen auszuführen. Factsheets können nur auf Basis einer SAP-HANA-Datenbank ausgeführt werden und erfordern einen ABAP-Stack. Sie können nicht auf eine zweistufige SAP-HANA-Live-Architektur portiert werden.
  • Analytische Apps bieten Echtzeit-Zugriff auf Kennzahlen aus der SAP Business Suite. Diese werden im Webbrowser angezeigt. Analytische Apps kombinieren die Daten und analytischen Fähigkeiten von SAP HANA mit den Integrations- und Interfacekomponenten der SAP Business Suite. So können z. B. Echtzeit-Informationen zur Unternehmenssteuerung angezeigt werden oder andere KPIs, auf die bei Abweichung reagiert werden kann.
  • Transaktionale Apps stellen vereinfachte Sichten von Interaktionen mit vorhandenen Geschäftsprozessen und Lösungen dar. Ein Beispiel hierfür wäre das Anlegen eines Abwesenheitsantrags für einen Mitarbeiter.
  • SAP Smart Business-Applikationen sind ebenfalls Echtzeit-Anwendungen und in Form von Dashboards bereitgestellt. Diese arbeiten auf der analytischen Ebene und es können Daten bis zu ihrer Quelle verfolgt werden. Wenn beispielsweise Daten für einen Finanzabschluss in einem Live-Dashboard angezeigt werden, können auffällige Werte bis zu ihrem Ursprung im SAP-System zurückverfolgt werden. Interessant ist hier insbesondere das SAP Smart Business for financial close, mit dem man lückenlos KPIs aus dem Finanzbereich überwachen kann.

SAP Predictive Analytics

SAP Predictive Analytics ermöglicht es, vorrausschauende Analysen zu erstellen, welche als Grundlage für Geschäftsentscheidungen genutzt werden können. Dabei können unterschiedliche Datenquellen als Grundlage dienen. Dazu gehört z. B. das Internet der Dinge (Internet of Things, IOT) oder Daten aus bestehenden SAP-Systemen. Des Weiteren kann man die Vorhersagen dazu verwenden, um rechtzeitig Marketing-Maßnahmen für sich andeutende Trends zu schalten. Die Analysen werden in der Modellierungsumgebung von Predictive Analytics erstellt – auch komplexere Data-Mining-Funktionen werden hier unterstützt – und können dann durch Endanwender in Echtzeit durchgeführt werden.

Fazit

Die hier vorgestellten Reporting Tools und deren Schnittstellen zeigen die ganze Vielfalt der SAP-Frontend-Welt. Bei der Auswahl sollte man großes Augenmerk auf alle dafür notwendigen Hardware- und Software-Komponenten haben. Kann man bestehende Infrastruktur nutzen? Reichen einfache Erweiterungen oder muss ich ganz neue Server und Schnittstellen verwenden?

Weiterhin spielt der Nutzenaspekt eine große Rolle. Wer benötigt welche Informationen? Müssen diese rund um die Uhr und immer mobil verfügbar sein? Oft würde eine geeignete Erweiterung der bestehenden Reporting-Landschaft ausreichen, um z. B. HTML5-Funktionalitäten zu nutzen – zusätzlich ergänzt um die SAP Fiori-Welt für den Business Suite-Bereich. Doch die Zukunft heißt SAP HANA und Visual Intelligence. Daher sollte man sich überlegen – wenn man sich weiter in der SAP-Welt bewegen will –, ob man sich nicht lieber jetzt schon schrittweise in die neue Tool- und Auswertungs-Welt begeben will.

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