single.php
< Beitrag von Bernhard Reuß

Projektmanagement mit Sympathie: gratis und unbezahlbar…

„Eine Rose ist eine Rose, ist eine Rose“, diese scheinbar banale Erkenntnis der Schriftstellerin Gertrude Stein präsentiert Helge Schneider, der „Kulturphilosoph“ besonderer Art, als hohe Kunst. Dem gleichen Schnittmuster folgend, möchte ich für Sympathie im Projektmanagement plädieren: „Ein Mensch ist ein Mensch, ist ein Mensch!“

Das wirkt zunächst genauso trivial und abstrus, wie es Helge Schneider permanent treibt. Es klingt aber gleich viel bedeutsamer! Und wer ist schon so belesen, dass er nicht in einem Partygespräch der nonchalante vorgetragenen Randbemerkung zustimmen würde, dass dies einst Kant, Hegel, Ghandi oder noch besser Schopenhauer in einem Moment besonders tiefer wie leuchtender Erkenntnis gesagt, nein, zu Tage gefördert habe…?

Menschen sind, wie sie sind

Diese schlichte Erkenntnis ist in unserer Profession von immenser Bedeutung:  Als Projektmanagementmensch muss man die Menschen mögen, in ihrer Gesamtheit, wahllos und überhaupt! Das ist genau so wie bei Pfarrern oder Ärzten, es sei denn letztere seien Veterinäre oder Pathologen.

Und ich mag die Menschen! Das ist für mich durchaus bemerkenswert. Denn in meinen schwermütigen Sturm- und vor allem Drang-Jugendjahren war das ganz anders: Da konnte ich viele Menschen nicht leiden, habe sie mindestens geringgeschätzt!

Ich kann gar kein einschneidendes Erlebnis benennen, wodurch sich dies geändert hat – irgendwann war es einfach so. Und seitdem sehe ich in Projekten vieles grundlegend anders – gerade auch in solchen, in denen es vermeintlich drunter und drüber geht, so dass alle Beteiligten „ordentliche Strukturen und Prozesse“ einfordern.

Vor der eigenen Türe kehren

Vermeintliches Chaos wird allerdings nur selten von denen verursacht, die die Arbeit tatsächlich erledigen, sondern eher von denen, die die Arbeit planen und steuern. Und daher fasse ich mir als Projektleiter und Berater ab dem ersten Tag im Projekt zunächst an die eigene Nase.

Vor einigen Jahren war auch ich noch oft geneigt, der typischen Hybris meiner Zunft zu erliegen: Einem Propheten, wenn nicht gar einem Messias gleich, wollte ich allen Beteiligten zunächst einmal das Kleine Einmaleins des Projektmanagements beibringen.

Das war und ist nicht nur arrogant, sondern vor allem grundfalsch. Denn das impliziert eine ganze Reihe destruktiver, aber leider populärer Klischees, wie z. B.:

  • „Die haben alle keine Ahnung, wie man systematisch arbeitet, erst recht nicht in Projekten!“
  • „Die sehen alle nicht über ihren Tellerrand hinaus auf ‚das große Bild‘!“
  • „Die sind doch alle zu faul anzupacken und mogeln sich um die Arbeit rum!“
  • „Die haben ja nicht mal Ahnung von ihrem eigenen Fach!“

Destruktive Haltungen blockieren konstruktives Handeln!

Glücklicherweise stimmen solche destruktiven Unterstellungen in den seltensten Fällen mit der Realität überein: Es gibt kaum Menschen im Berufsleben, die nichts können, die die Arbeit scheuen oder gar andere bewusst behindern. Wenn überhaupt, findet sich ein solches Verhalten nicht auf der operativen, sondern eher auf der Managementebene. (Jenseits aller destruktiven Unterstellungen freue ich mich an dieser Stelle über jede mit diesen Gedanken geteilte Sekunde selbstkritischer Demut.)

Die gute Nachricht ist also: Die allermeisten Mitarbeiter beherrschen ihr Metier und wollen gerne ihren Beitrag zum gemeinsamen Ganzen leisten. Aber leider mussten viele dieser Mitarbeiter immer weider erfahren, dass

  • ihr Rat klein geredet oder ignoriert wird,
  • aktives Mitarbeiten nur dazu führt, dass alles weitere auch bei Ihnen abgeladen wird,
  • Fehler zu negativen Sanktionen führen, während sich Nichtstun als systemförderlich erweist.

Also ist es unsere Aufgabe als Projektmanager, die Stakeholder im „weichen“ Teil unserer Arbeit ernsthaft zu motivieren, ihre Fähigkeiten zu schätzen und sie zu ermutigen. Sicher gehört dazu auch, die Mitarbeiter immer mal wieder zu Ergebnissen anzuleiten, aber nicht aus Paternalismus, sondern aus echtem Respekt! Und dieser erwächst am leichtesten aus Sympathie!

Sympathie für jedermann!

Da ich ständig auf Menschen treffe, die mir erst einmal wildfremd sind, benötige ich diese Fundamentalsympathie für jedermann. Ich bin glücklich, diese Sympathie seit Jahren in mir zu tragen. Das macht meine Arbeit freudenreich. Diese positive Haltung ist tatsächlich ein Geschenk, das mir irgendwann zuteil wurde und für das ich keinen Grund und keine Berechtigung kenne. Sei’s drum, ich wünsche auch Ihnen und Ihren Projekten sympathische, menschenfreundliche Projektleiter!

P.S.: Und wenn tatsächlich mal „ein Giftzwerg“ unter den Stakeholdern sein sollte, bestätigt dies nur die positive Regel … Auch ein Ab-und-zu-Giftzwerg bringt mich längst nicht mehr um meine Ruhe und Gelassenheit.

Folgen
X

Folgen

E-mail : *
Kategorie: ITSM | Schlagwörter: | Kommentare: 0

Beitrag kommentieren

CAPTCHA * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.