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< Beitrag von Lidia Schkurenko

Wissenstransfer: Was wir uns im Job von Facebook, Twitter und Co. abgucken können

Was wir denken, wo wir uns aufhalten, mit wem wir unterwegs sind, was uns gefällt oder auch nicht – wir teilen einfach alles in den sozialen Netzwerken. Immer und überall. Datenschutz kennt die Generation Facebook gar nicht. Jede Aktivität wird dokumentiert, alles wird online für die Ewigkeit festgehalten. Im Job dagegen geizen wir regelrecht damit, Informationen preiszugeben. Wir behalten vieles für uns, haben Angst, dass uns unser Wissen genommen wird, dass wir womöglich entbehrlich werden. Völlig unbegründet, denn ersetzbar sind wir alle.

Tatsächlich könnten wir etwas von der „Facebook-Mentalität“ lernen. Gerade im Beruf vereinfacht eine derartige Dokumentation von Informationen den Wissenstransfer enorm.

Was ist eigentlich Wissenstransfer und wozu brauchen wir ihn?

Das Wort Wissenstransfer bedeutet: Wissen soll transferiert werden oder Wissen soll von Person A nach Person B gelangen.

Aber wozu das Ganze?

Altersruhestand, Elternzeit, Fluktuationen, betriebliche Umstrukturierungen oder auch Projektübergaben sind nicht die einzigen Gründe für die Weitergabe von Informationen. Auch wenn kein Personalwechsel ansteht, kann Wissenstransfer die Stärken der Mitarbeiter verknüpfen und insgesamt die Innovationsfähigkeit im Team steigern. Auch Albert Einstein erkannte schon damals: „Der Fortschritt lebt vom Austausch des Wissens.

Im Grunde trägt jeder Mitarbeiter Wissen in sich. Der eine mehr, der andere weniger. Auch der demografische Wandel hat einen großen Einfluss: Die langjährigen Mitarbeiter haben Praxis- bzw. Projekterfahrung. Die frisch in der Universität gebackenen Absolventen haben meist das aktuellere Theoriewissen. Es gilt also das Wissen unserer Mitarbeiter optimal zu nutzen, indem wir es vereinen. Nicht nur Unternehmen profitieren von diesen hybriden Mitarbeitern, sondern auch jeder Einzelne kann einen Mehrwert für sich schaffen.

Die Frage nach dem „Wie?“

Willkürlich Alt und Jung in ein Team bringen und von ihnen erwarten, ihr Wissen und Können zu verbinden, klingt nicht einmal im ersten Moment nach einer durchdachten Idee. Vor 20 Jahren wagten Berufseinsteiger gar nicht die Vorgehensweisen und Methoden der erfahrenen Kollegen in Frage zu stellen. Die Absolventen von heute dagegen hinterfragen einfach alles und neigen dazu, vieles verändern zu wollen, manchmal auch Altbewährtes. Dieser Wandel behindert das eigenständige „Voneinanderlernen“.

Vorab ist zu klären:

  1. „Welches Können wird von unseren Beratern zukünftig im Projekt erwartet?“ Denn nicht jeder neue Berater muss Experte in Prince2 sein.
  2. „Wer kann was besonders gut?“ Bei dieser Fragestellung könnte die Selbsteinschätzung eines Einzelnen nicht immer die richtige sein. Nicht selten über- oder unterschätzen Mitarbeiter ihre Kompetenzen und Fähigkeiten.

Filtern wir also unsere Mitarbeiter nach Experten, die in einem Thema oder Tool tatsächlich besonders gut sind. Anschließend müssen auch die Wissenslücken der Mitarbeiter erkannt werden. Für die Darstellung eignet sich eine Tabelle, in der alle wichtigen Kompetenzen festgehalten und beispielsweise nach einem 3-Punkte-Schema bewertet werden.

Tool 1 Tool 2 Tool 3 Tool 4 Tool 5
MA 1 ○○○ ○○○ ●●● ●●○ ●●●
MA 2 ●○○ ●●○ ○○○ ●●● ●●○
MA 3 ●●○ ○○○ ●●● ●○○ ○○○
MA 4 ●●○ ●○○ ●●○ ○○○ ●●●
MA 5 ●●● ●○○ ●●○ ●○○ ○○○
MA 6 ●●○ ●●● ●●○ ●●○ ●○○
MA 7 ●○○ ●○○ ○○○ ●●● ●●○
MA 8 ●●○ ●●○ ●○○ ○○○ ●●●
MA 9 ●●○ ●○○ ●●● ○○○ ○○○
MA 10 ●○○ ●●○ ●●○ ●●● ●○○

Legende

keine Kenntnisse ○○○ wenig Kenntnisse ●○○
fortgeschrittene Kenntnisse ●●○ Expertenwissen ●●●

Sobald diese Informationen zusammengefasst sind, lassen sich die richtigen Verbindungen erkennen. Idealerweise organisieren die Mitarbeiter eigenständig einen 1:1-Workshop.

Wie kann eine Dokumentation zum Wissenstransfer beitragen?

Die Kompetenzmatrix ist eine mögliche Methode, um eine Übersicht über die verschiedenen Kompetenzen der Mitarbeiter zu erhalten und entsprechend einen Wissenstransfer durchführen zu können. Allerdings muss diese Matrix fortlaufend gepflegt werden. Veränderungen müssen möglichst schnell erfasst werden, sodass Wissenslücken geschlossen werden können.

Es gibt aber auch ganz andere Dokumentationssysteme, beispielsweise kann ein betriebsinterner Fragenkatalog oder Wiki zum Wissenstransfer beitragen. Gerade für neue Mitarbeiter ist ein solches FAQ sehr hilfreich, um schnell Antworten auf oft gestellte Fragen zu finden bzw. an grundlegende Informationen zum Unternehmen, zu dessen Prozessen etc. zu gelangen.

Um nun noch mehr Informationen innerhalb eines Unternehmens zu verteilen, richten immer mehr Unternehmen innerbetriebliche soziale Netzwerke ein, um ihren Mitarbeitern ein zielgerichtetes Austauschen zu ermöglichen.

Fazit

Wir sollten uns etwas von der Facebook-Mentalität abgucken, weniger Scheu davor haben, Informationen zu teilen und diese unseren Kollegen zugänglich zu machen. In einer modernen Unternehmenskultur sind Dokumentationen für den Wissenstransfer unabdingbar. Wissen soll den Mitarbeitern so zugänglich gemacht werden, dass eine Wertschöpfung entsteht.

Beim Einsatz mehrerer Methoden zum Wissenstransfer erreicht man oftmals eine größere Anzahl von Mitarbeitern. Durch eine optimale Dokumentation werden nicht nur unnötige Kosten für Weiterbildungsmaßnahmen eingespart, sondern auch die Interaktion zwischen den Mitarbeitern wird gefördert und schafft gleichzeitig ein besseres Teamgefühl.

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Kategorie: ITSM | Schlagwörter: , | Kommentare: 1

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Kommentare

  • 18.10.2016 von Bettina Sabel

    Das ist mal eine schöne Assoziation, und zeigt, es könnte (auch in der Berufswelt) so einfach und vor allem selbstverständlich sein, sein Wissen zu vermitteln, auszutauschen und sogar zu dokumentieren! Vielleicht schafft man es bald, durch Social Media als "Vorbild", dies umzusetzen.