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< Beitrag von Ulrich Villers

Best Practices nach Prince2, ITIL und DevOps – rettete Shackleton seine Crew mit agilem Projektmanagement?

Auch wenn Frameworks wie ITIL, PRINCE2 Agile oder DevOps mit Best Practices werben, kommt der Projekterfolg nicht grundsätzlich aus der IT, sondern aus der Erfahrung, die man bereits mit anderen Projekten gemacht hat. Wichtig ist, agil und flexibel auf die Projektumstände zu reagieren und offen damit umzugehen.

Am Beispiel von Sir Ernest Shackleton zeige ich, wie man mithilfe von Best Practices nach Prince2, ITIL und DevOps erfolgreich ans Projektziel kommt.

Ich benutze gern ein Zitat von Sir Ernest Shackleton, einem Polarforscher, der Anfang des 20. Jahrhunderts durch seine (gescheiterte) Endurance-Expedition weltbekannt wurde. Er sagte: „Ein Mensch muss sich sofort ein neues Ziel setzen, wenn sich das alte als unerreichbar erweist„.

Hat dieses Zitat nicht viel von der heutigen agilen Welt? In PRINCE2 z. B. wird regelmäßig der Nutzen eines Produkts/Projekts überprüft und ggf. der Plan angepasst. Lebte Shackleton etwa bereits Best Practices nach Prince2, ITIL und DevOps? Und rettete er mit agilem Vorgehen seiner Mannschaft das Leben? Wir gehen in diesem Beitrag diesen Fragen nach.

Definition Business Case Endurance-Expedition

In seiner Vorbereitung begann Shackleton Geld für die Endurance-Expedition zu sammeln. Er stellte einen Business Case mit Kosten und Nutzen des Projektes „Durchquerung der Antarktis“ auf. Ganz im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (ITIL CSI) nutzte er dabei die Erfahrungen aus vorangegangen Expeditionen – sowohl der eigenen als auch der Expeditionen anderer Forscher und Länder. Dabei legte er u. a. folgende Parameter fest:

  • Projektziel
  • Projektzeitplan
  • Projektvorgehen
  • Lenkungsausschuss

Änderung des Projektzeitplans

Im Folgenden reiste er mit der Endurance über Argentinien tief in das Weddell-Meer, in dem sich die Fahrt deutlich verlangsamte. Bald darauf setzte sich das Schiff im Packeis fest. Da Shackleton klar wurde, dass es unwahrscheinlich war, vor dem Frühling aus dem Eis freizukommen, änderte er seine Pläne und bereitete alles auf eine Überwinterung im Packeis vor. Das Projektziel (Nutzen) Südpol-Durchquerung blieb erhalten, er änderte aber den Projektzeitplan: Ganz im Sinne eines agilen Projektes richtete er sich auf die Überwinterung ein.

Änderung des Projektziels

Das Schiff konnte dem Packeis über den Winter nicht standhalten und so änderte er den Plan erneut. Das gesamte Inventar zog nun auf das Eis um. Mit dem Verlust des Schiffes änderte sich auch das Projektziel und damit der Nutzen des Projektes: Aus „Südpol-Durchquerung“ wurde „Rettung der Mannschaft“. Im Sinne von PRINCE2 sah der Lenkungsausschuss in Person von Shackelton keinen Nutzen mehr in dem Ziel der Durchquerung der Antarktis und änderte das Projektziel ab.

Dies mag selbstverständlich erscheinen, schaut man sich aber Expeditionen von Scott oder auch die Unterstützter-Expedition für Shackleton, die sogenannte Rosswellgruppe, an, wird klar, dass dort das ursprüngliche Ziel über persönliches Wohlergehen gestellt wurde.

Änderung des Projektvorgehens

Da es nun um das Überleben der Mannschaft ging, entschloss sich Shackelton, über das Eis zu einer älteren Basisstation zu wandern. Da die Umgebung die Wanderung erschwerte – man kam in zwei Tagen nur 3,2 km weit – änderte der Lenkungsausschuss (nun Shackleton gemeinsam mit seinen Beratern) den Plan erneut und man beschloss, auf das Aufbrechen des Eises zu warten, um mit den Beibooten des Schiffes weiterzukommen. Das Projektvorgehen wurde also an das neue Projektziel angepasst.

Managen nach dem Ausnahmeprinzip als letzte Chance

Unter widrigen Umständen erreichte die Gruppe schließlich Elephant Island, wo man sich einigermaßen sicher wähnte. Da man aber fernab jeder Zivilisation war, beschloss Shackleton mit einigen Männern eine Seereise nach Südgeorgien zu starten. Ganz im Sinne des „Managen nach dem Ausnahmeprinzip“ gestand er der restlichen Mannschaft zu, auf eigene Faust zu handeln, sollte er binnen einer festgelegten Frist nicht zurückkehren.

Shackleton erreichte Südgeorgien und konnte nach zwei Versuchen seine gesamte Mannschaft retten!

Fazit – Best Practices nach Prince2, ITIL und DevOps können sicher zum Projektziel führen

Für die damalige Zeit war die Endurance-Expedition eine Sensation. Shackleton hatte es geschafft, über den gesamten Zeitraum seine Mannschaft motiviert zu halten. Dies ist ihm sicherlich auch dadurch gelungen, dass er sein Projektziel fließend der Situation angepasst hat. Für den damaligen Zeitgeist, der häufig Ehre und Ruhm im Vordergrund gesehen hat, ungewöhnlich. Er hat sein Projekt „Südpol-Durchquerung“ agil gehalten.

Sicherlich geht es im täglichen IT-Projektgeschäft nicht um Leben und Tod. Aber schauen wir auf das Projektgeschäft, in dem all zu oft nur die Erfüllung des Anforderungsdokuments (Projektziel) im Vordergrund steht und weniger das Vorgehen. Shackleton hat vor seiner Mannschaft nie einen Hehl aus der vermeintlich ausweglosen Situation gemacht. Hand aufs Herz: Wer meldet frühzeitig Probleme? Meist läuft es doch nach dem Motto: „Es wird schon irgendwie gelingen.“

Frameworks bzw. Best Practices nach Prince2, ITIL und DevOps können hier helfen. Das Produkt wird in der Vordergrund gestellt und regelmäßig, z. B. in den Sprint Reviews, überprüft und besprochen. Arbeitet man in einem agilen Umfeld, laufen Projekte so sicherlich nicht schneller, aber sie führen doch viel öfter zu einem für alle zufriedenstellenden Ziel.

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Kategorie: ITSM | Schlagwörter: , , | Kommentare: 0

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