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< Beitrag von Tobias Heyl

Interaktive Dashboards à la carte mit Widgets in vROps

Um ein Dashboard von schmächtig nach mächtig zu wandeln, bedarf es mindestens eines kleinen Hilfsmittels, dem sog. „Widget“. Widget ist das englische Wort für „Dingsbums“ oder „Vorrichtung“ – in unserem Fall trifft jedoch eher das Wort „Steuerelement“ zu, da es sich auf grafische Benutzeroberflächen bezieht, wie diese, die wir von Dashboards kennen.

Mit Hilfe von Widgets im vROps, dem vRealize Operations Manager, ist es möglich, eine statische (lahme) Ansicht eines Dashboards in eine dynamische, interaktive (coole) Version zu verwandeln; Dashboards aktualisieren Inhalte dann auf Basis der vorher ausgewählten Objekte und zeigen diese daher kontextbezogen an – damit geht’s zwar nicht ganz ohne Klicks, aber dafür heißt es ja auch interaktiv.

Vom Dingsbums zum interaktiven Steuerelement

Wer vROps in der Standardansicht und ohne bisherige Anpassungen verwendet, hat womöglich gar kein interaktives Dashboard vor Augen, wenn er sich mit dem System verbindet. Schließlich bieten bereits die Standard-Dashboards gute Funktionalitäten für den kurzen und schnellen Blick – und um eine Antwort auf die Frage zu geben: „Läuft bei mir (in der Umgebung) alles rund?“

Doch genau hier wird es spannend. Abhängig von der Größe der virtualisierten und überwachten Umgebung ist es unter Umständen gar nicht mehr möglich, alles auf einen Blick zu sichten, weil es schier nicht mehr auf den Bildschirm passt. Wer 500+ VMs betreibt, dazu diverse Datastore-Cluster und auch weitere SAN-Infrastruktur verwendet, bräuchte schon ein Display mit Quad-Super-Mega-QHD²-Auflösung, damit sich relevante Inhalte in Gänze darstellen ließen.

Funktionen von Widgets in vROps

Wie bastelt man sich also solch ein interaktives Dashboard und was genau hat es mit diesen Widgets in vROps auf sich? Was muss ich beachten, damit ich Abhängigkeiten richtig abbilde? Was sind die Modi „Self“, „Children“ und „Parent“?

Antworten auf offene Fragen ich Dir geben kann, junger Padawan. Und zwar am besten, indem wir Schritt für Schritt ein solches interaktives Dashboard bauen. Währenddessen erläutere ich dann die Unterschiede und zeige auf, worauf bei der Erstellung zu achten ist.

Anglizismen sind für mich ja an sich ein No-go, daher vielleicht noch ein Hinweis zum Sprachgebrauch: Als Ausgangssprache wird Deutsch verwendet, die Widgets, Dashboards und Browser-Einstellungen sind entsprechend eingerichtet und bezeichnet (auch wenn sich manches einfach nicht sinnvoll übersetzen lässt).

Schritt 1: Erstellen eines neuen Dashboards Plans

Bevor ein Dashboard erstellt wird, sollte man sich Gedanken darüber machen, was man sehen und darstellen möchte. Ob man nun auf die CPU-Kapazitäten der ESX-Hosts schaut, sich bunte Grafiken und Diagramme anzeigen lässt oder einfach nur eine Auflistung von Anomalien wünscht: Erst muss man diese Anforderungen in Worte fassen können, um sie technisch abzubilden.

Unser Plan sieht wie folgt aus:
Wir möchten Alarme, die die unmittelbare Aufmerksamkeit des Administrators erfordern, ermitteln, und zwar auf Basis vorher selektierter Hosts. Außerdem lassen wir uns dazu die derzeitige Arbeitslast dieser Hosts anzeigen und schauen noch auf etwaige Anomalien. Somit beginnen wir mit der eigentlichen Arbeit im nächsten Schritt.

Schritt 2: Erstellen eines neuen Dashboards

Nun, da der Plan gereift ist und die Gedanken gefasst sind, was alles visualisiert werden soll, muss entsprechend dieser Vorgaben ein neues Dashboard erstellt werden. Dazu fügen wir ein neues Dashboard hinzu, vergeben den Namen und eine kurze Beschreibung.

Benennung des Dashboards Widgets in vROps

Benennung des Dashboards und Hinzufügen einer Beschreibung

Schritt 3: Auswählen der Widgets in vROps

Um das Vorhaben Schritt 1 in die Tat umzusetzen, benötigen wir nun die folgenden Dingsbums … ääh Widgets:

  1. Das „Objektliste“-Widget
  2. Das „Arbeitslast“-Widget
  3. Das „Liste mit Warnungen“-Widget
  4. Das „Anomalien“-Widget

Widgets in vROps können übrigens mehr als einmal pro Dashboard verwendet werden. Diese ziehen wir erst einmal via Drag and Drop rechts ins Fenster hinein und positionieren sie nach Vorliebe (die Positionierung kann später noch geändert werden). In meinem Beispiel sieht das mit einer klassischen 4×4-Ansicht so aus:

Hinzufügen der Widgets in vROps zum Dashboard

Hinzufügen der Widgets zum Dashboard

Schritt 4: Anpassen der Widgets in vRops

Objektliste

Auswahl der anzuzeigenden Objekttypen Widgets in vROps

Auswahl der anzuzeigenden Objekttypen

Das Objektliste-Widget habe ich in „Objektliste ESX-Hosts“ umbenannt, damit ersichtlich ist, welche Funktion dieses Widget erfüllt.

Um die Hosts auszuwählen, wählt man aus der Liste unter „Objekttypen“ den Punkt „Hostsystem“ aus. Mehrfachselektionen sind möglich, in diesem Beispiel aber nicht gewollt. Bspw. lassen sich so auch Datastore-Cluster oder Ordnernamen oder einzelne VMs auswählen.

Die Abbildung der Hierarchien erfolgt übrigens wie im vCenter – erst kommt das vCenter, darunter das Datacenter, darunter etwaige Cluster, dann Hosts etc.

Arbeitslast

Das Arbeitslast-Widget

Das Arbeitslast-Widget

Das Arbeitslast-Widget habe ich in „Arbeitslast ESX-Hosts“ umbenannt.

Da uns auch die Auslastung der selektierten Hosts interessiert, füttern wir nun das Arbeitslast-Widget mit Informationen. Über die „Widget bearbeiten“-Funktion können nun die Einstellungen dieses Widgets angepasst werden.

Dabei ist eine Einstellung zu beachten, nämlich die der sog. Selbstanbieter bzw. self provider im Englischen. Was genau sind Selbstanbieter oder wofür werden sie genutzt? Einfache Frage, einfache Antworten:

  • Ein bedeutet, dass man aus der Liste der Objekte ein entsprechendes Objekt auswählt und diese Information durch und mit diesem Widget angezeigt wird.
  • Aus bedeutet, dass das Widget seine Informationen von einem übergeordneten Widget erhält und die Informationen anzeigt, die an anderer Stelle selektiert wurden.

Liste mit Warnungen

Liste mit Warnungen

Liste mit Warnungen mit weiteren Filtern

Die Liste mit Warnungen zeigt in der Standardeinstellung alle Meldungen, Warnungen und Hinweise des gesamten vCenters.

Damit wir eben nicht alle dieser Meldungen sehen (viele sind auch als nicht-kritisch zu betrachten), selektieren wir über die unten stehende Tagauswahl die Warnungen nach Status = Aktiv und Prioritätsebenenbereich = Sofort und Kritisch. Somit werden nur aktive Warnungen pro selektiertem Host angezeigt, anstelle aller auch unwichtigeren Meldungen und Hinweise.

Es lassen sich noch weitere Parameter in der Tagauswahl festlegen, um die Auswahl zu erweitern oder einzuschränken.

Anomalien

Das Anomalien-Widget in vROps

Das Anomalien-Widget in vROps

Das Anomalien-Widget habe ich in „Anomalien ESX-Hosts“ umbenannt.

Anomalien in vROps zeigen alle Abweichungen vom ermittelten Normalzustand des selektierten Objekts.

Das Widget wird auf dieselbe Art konfiguriert wie die anderen Widgets und zeigt somit etwaig auftretende Anomalien für den jeweilig selektierten Host in Form einer Kurve. Dabei zeigt die graue Linie den Grenzwert, die blaue Linie zeigt den gegenwärtigen Zustand. Hier im Beispiel ist also alles in Ordnung, dazu beträgt der im grünen Dreieck befindliche Score 0 – so kann es bleiben.

 

Schritt 5: Interaktionsvorgaben

Der Casus Knacksus. Da noch kein Widget irgendetwas tut, außer sich dem Standard entsprechend zu verhalten, benötigen wir jetzt die angesprochene Interaktivität. Dazu öffnen wir den nächsten Punkt in der Dashboard-Konfiguration, nämlich die Widget-Interaktionen.

Die Rolle der Interaktionen von Widgets in vROps

Die Rolle der Interaktionen von Widgets

Hier wird festgelegt, welches Widgets in vROps durch welche Auswahlen „gefüttert“ wird. Da in diesem einfachen Beispiel alle Widgets ihre Informationen auf Basis des ersten Widgets Objektliste ESX-Hosts anzeigen sollen, ist dies die Basis der Interaktion.

Wichtig: Die Änderungen müssen durch den Button „Interaktionen anwenden“ gespeichert werden. Man kann diese dann gleich rechts im Fenster durch Auswahl eines der Hosts visualisieren.

Damit kann das Dashboard auf der Startseite eingeblendet werden und ermöglicht so dem Administrator, sich durch Selektionen der Hosts Alarme und kritische Meldungen anzeigen zu lassen. Dass dies nicht die einzige Lösung ist, ist klar, aber zum Aufzeigen der Funktionalitäten und zum Abbilden von Abhängigkeiten soll dieser Beitrag ein Leitfaden sein, wie man Widgets aufeinander abstimmt und sich so Dashboards à la carte anzeigen lassen kann.

Exkurs: Selbstanbieter/self provider

Nachfolgende Tabelle gibt Aufschluss darüber, was mit den Selbstanbietern gemeint ist; dazu referenziere ich ebenfalls die englischen Begriffe, sollten diese einem häufiger über den Weg laufen.

Bezeichnung Englisch Bezeichnung Deutsch Erklärung
Self Eigene Daten Zeigt Informationen zum selektierten Objekt oder Metrik, bspw. Host ESX01
Children Untergeordnete Elemente Zeigt Kindelemente zum selektierten Objekt. Wenn z. B. ein Cluster Cluster01 selektiert wird, sind die Kindelemente die sich darin befindlichen Hosts. Wenn Hosts selektiert werden, die sich darin befindlichen VMs usw.
Parent Übergeordnete Elemente Das Gegenteil zu den untergeordneten Elementen. Wenn bspw. ein Host ESX01 selektiert wird, ist das übergeordnete Element das Cluster Cluster01, in dem sich der Host befindet.

Ich hoffe, dieser Beitrag ist hilfreich bei der Erstellung eigener (auch größerer) Dashboards, egal ob nun in Deutsch oder in Englisch. Über Rückfragen freue ich mich besonders, sonstige Anregungen sind ebenfalls jederzeit willkommen.

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Kategorie: Datacenter | Schlagwörter: , , , | Kommentare: 0

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