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< Beitrag von Bettina Sabel

Mein ITIL und ich

Prozess-Frameworks sind wie Haustiere. Zuerst beschäftigt man sich mit der Frage, welches Tier am besten zu einem passt, danach entscheidet die Rasse über die Ausprägung. Anstelle von Wohnungsgröße, vorhandenem Balkon oder Garten schaut man auf die Unternehmensgröße, IT-Ressourcen und Komplexität der Infrastruktur.

ITIL – der Einstieg

Auf einmal ist er da – der Tag X. Wir befinden uns auf dem Rückweg nach Hause, das neue Haustier wurde auf den Namen „ITIL“ getauft und räkelt sich etwas unsicher und verschlafen auf der Rückbank. Zu Hause angekommen beschnuppern wir uns gegenseitig und sind beide nervös. Habe ich mich richtig entschieden? Habe ich alles gut vorbereitet? Verhalte ich mich richtig? Was passiert, wenn ich mich mit der Entscheidung komplett übernommen habe? So einfach zurückgeben kann man ein Haustier nicht und ich bin auch kein Unmensch, der „ITIL“ einfach zum Ferienbeginn an einem Rastplatz aussetzt.

Nicht umsonst sagt man, dass Tiere mit der Zeit immer mehr ihren Besitzern ähneln und das ist das Schöne an meinem „ITIL“, jedes Exemplar dieser Rasse hat einen ganz eigenen Charakter und bedarf eigener Pflege und Erziehung.

ITIL Foundation

Unsere Kennenlernphase ist angenehm, alles ist wie gewünscht, die Kommunikation verläuft ganz intuitiv. Natürlich gibt es ein paar Anlaufschwierigkeiten, aber im Vergleich zu Geschichten, die man online lesen kann, ist unsere Findungsphase problemlos.
Plötzlich allerdings stelle ich Verhaltensweisen fest, die ich so nicht erwartet habe und auch nicht bereit bin zu tolerieren. Egal wie sehr ich mich dagegen stemme – Jammern, Zetern, Diplomatie –, wir scheinen unterschiedliche Sprachen zu sprechen. Die logische Konsequenz ist, einen Experten zu beauftragen, der mich schult. In der IT-Welt entspricht dies der „ITIL Foundation“. Gesagt, getan … enttäuscht.

Anstatt Aufklärung zu erhalten, bin ich nach drei Tagen einige Euro ärmer, ein Zertifikat reicher und verwirrter denn je. Was sollte diese Druckbetankung mit Theorie und Fachbegriffen, wenn ich doch ganz reale Alltagsprobleme mit meinem „ITIL“ habe? Plötzlich zeigt sich nicht nur mein Haustier bockig, sondern die ganze Rasse scheint ganz schön bissig zu sein.
Als letzten Schritt engagiere ich einen privaten Trainer, der mir „Hilfe zur Selbsthilfe“ leisten möchte. Er beobachtet mich und mein „ITIL“ im Alltag, wir gehen einige Male zusammen Gassi und schließlich gibt er mir entscheidende Tipps. Es geht vor allem um Kulturunterschiede, die uns bisher den Zugang zueinander erschwert haben. Mit anschaulichen Beispielen werden mir die wesentlichen Punkte erklärt, die auf einmal so einfach, ehrlich und realitätsnah erscheinen.

Es wäre gelogen zu sagen, dass aus meinem garstigen Haustier sofort ein anschmiegsames Wesen geworden ist, das auf meinem Schoß einschläft und aus meinem Leben nicht wegzudenken ist. Aber wir sind auf dem Weg, täglich voneinander zu lernen, unsere Eigenheiten gegenseitig zu respektieren und die Gemeinsamkeiten stetig mehr zu lieben und so Stück für Stück „unseren“ Weg zu finden. Best Practice eben.

Somit bleibt als Fazit stehen, dass mehrere Faktoren notwendig sind, um ein zufriedener ITIL-Freund zu werden: gute Überlegungen im Vorfeld, viel Intuition und Verständnis sowie ein Coach, der mir hilft, mir selbst zu helfen, und mich auf den richtigen Weg bringt, weil er mir das vermittelt, was in meiner Situation elementar und alltagsnah ist und nicht in Theoriewolken fabuliert.

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Kategorie: ITSM | Schlagwörter: | Kommentare: 1

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Kommentare

  • 30.07.2015 von Uta Königsfeld

    Sehr schön geschrieben, Bettina!