single.php
< Beitrag von Jens Zange

ITSCM-Manager – der James Dean der IT

ITSCM steht für IT Service Continuity Management. Nachdem sich also Kollegen laut ITIL im Risk Management möglichst paranoide Szenarien aufgebaut und die Infrastruktur weitestgehend ausfallsicher ausgelegt haben, kommen nun die Realisten zum Zug.

Im Folgenden gehe ich auf die Rolle des ITSCM-Managers näher ein.

Wenn der Ernstfall eintritt …

IT Service Continuity Management setzt an der Stelle an, an der man zwar alles getan hat, um den Notfall zu vermeiden, das Unvermeidliche nun aber doch geschehen ist und die IT schnellstmöglich aus diesem Notfall wieder in den Normalbetrieb kommen möchte. In der Literatur wird dies oft mit dem „K-Fall“, dem Katastrophenfall, gleichgesetzt und man denkt an einen Gebäudebrand oder einen Flugzeugabsturz aufs Gebäude. Speziell diese Szenarien werden vom Management, unserem Budgetgeber, oft als absolut unrealistisch abgetan und das Budget wird verweigert.

Schritt 1 ist also, dass der Themenverantwortliche in seiner Argumentation bei der Budgetvergabe realistische Szenarien skizziert, die durchaus eine höhere Eintrittswahrscheinlichkeit und gleichzeitig eine hohe Auswirkung haben. Beispiele für solche Situationen gibt es durchaus reichlich, sei es eine Grippewelle, die entscheidende IT-Mitarbeiter ausfallen lässt, oder der Ausfall der Klimaanlage im Hochsommer, der uns dazu zwingt, einige Server abzuschalten, bis der Defekt behoben ist. Welche Server man ausschaltet, weil man am ehesten darauf verzichten kann, wird im Risk Management festgelegt, in der Business Impact-Analyse, bei der man jede Infrastrukturkomponente und die darauf laufenden Services in Bezug auf die (vor allem monetären) Auswirkungen auf das Unternehmen bewertet. Wie man allerdings im Notfall, zum Beispiel nach einer Abschaltung aller Maschinen, möglichst schnell dahin kommt, die Kerndienste des Unternehmens wieder verfügbar zu machen, das ist die Aufgabe des ITSCM-Managers.

Sicher: Wenn es um ITSCM geht, dann kann man viel Papier produzieren, Prozesse zeichnen und Anleitungen schreiben. Doch in einer Notfallsituation geht es vor allem darum, nicht nur einen Plan zu haben, sondern diesen auch seelenruhig in die Realität umsetzen zu können. Meistens sind dafür auch weitere Kollegen in der IT-Abteilung notwendig, je nach Notfall sogar Kollegen außerhalb der IT. Es geht also zu 90 % darum, wie die Beteiligten im Notfall reagieren und wie gut man sich an den erstellten Plan hält. Als ITSCM-Manager dirigiert man eine Orchestertruppe, die noch nie zusammen geprobt hat und muss versuchen, dass das Ergebnis möglichst gut klingt.

Mit anderen Worten: Allein das Auftreten als Themenverantwortlicher entscheidet maßgeblich über Erfolg oder Misserfolg der ausgedachten Maßnahmen. Wie möchte man im Katastrophenfall verhindern, dass alle wie aufgescheuchte Hühner agieren, wenn man selbst keine Ruhe ausstrahlt, die darauf beruht, dass man einen Plan hat?

Sicheres Auftreten

Denken wir ein Jahr zurück. Fußballweltmeisterschaft – Halbfinale. Der brasilianische Trainer Scolari ist der denkbar schlechteste ITSCM-Manager. Die Plan- und Hilflosigkeit, die er, speziell in der ersten Halbzeit, an der Seitenlinie ausstrahlte, ist beispielhaft. Er als erfahrener und erfolgreicher Trainer muss der Fels in der Brandung sein. Wenn junge Spieler zur Seitenlinie schauen und sehen, dass er keinen Plan hat – woher sollen sie selbst wissen, was zu tun ist? Spätestens beim Stand von 0:3 hätte er reagieren müssen, durch einen symbolischen Wechsel … irgendetwas. Stattdessen stand er dort mit verschränkten Armen, gesenktem Kopf und zeigte, dass er auf vieles vorbereitet war, aber nicht auf dies. Folgerichtig war das Endergebnis besonders deutlich.

Der Unterschied: Jogi Löw mag nicht den Geschmack von jedem der 80 Millionen Deutschen als Bundestrainer treffen, aber bei diesem Turnier hat er seiner Mannschaft während der Spiele eines vermittelt – immer einen Plan zu haben. Es gab genug kritische Situationen und trotzdem strahlte er einen eiserne Ruhe und Gelassenheit aus.

Nehmen Sie sich als ITSCM-Manager ein Beispiel an Löw und strahlen Sie im Notfall Coolness aus. Seien Sie der Inbegriff des eisernen Blickes, werden Sie zum James Dean der IT und wenn Sie erst einmal gezeigt haben, wie Sie den Notfall gemeistert haben, werden Sie bei den nächsten Budgetdiskussionen weniger Schwierigkeiten bekommen.

Denn niemand verhandelt mit James Dean.

Folgen
X

Folgen

E-mail : *
Kategorie: ITSM | Schlagwörter: , , , , , | Kommentare: 0

Beitrag kommentieren

CAPTCHA * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.